Klimawandel in Deutschland

Veröffentlicht am 1. Dezember 2019

Im Jahr 2018 verursachten Hitze und Trockenheit in der Landwirtschaft Schäden in Höhe von 700 Millionen Euro. (Foto: pixabay.com / andreas160578)

Die Folgen der globalen Erderwärmung werden in Deutschland spürbarer und lassen sich immer besser belegen. Das zeigt der 2. Monitoringbericht der Bundesregierung, der jetzt vom Bundesumweltministerium (BMU) und dem Umweltbundesamt (UBA) in Berlin vorgelegt wurde. Demnach hat sich die mittlere Lufttemperatur in Deutschland von 1881 bis 2018 um 1,5 Grad erhöht. Allein in den letzten 5 Jahren stieg diese um 0,3 Grad an. Die Folgen: Mehr Gesundheitsrisiken durch Hitzebelastung, Anstieg der mittleren Oberflächentemperatur der Nordsee sowie stärkeren Ertragsschwankungen in der Landwirtschaft.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze: „Die Folgen des Klimawandels treten immer deutlicher zu Tage. Die Erhöhung der durchschnittlichen Temperatur um 0,3 Grad in nur 5 Jahren ist alarmierend. Dem können wir nur mit vorsorgendem Klimaschutz und konsequenter Anpassung an den Klimawandel begegnen. Dies bedeutet zum Beispiel, sich bei allen Bau- und Infrastrukturprojekten besser vor Beeinträchtigungen durch Hitze, Starkregen oder Hochwasser zu wappnen. Das gilt auch für die Gestaltung von städtischen Wohngebieten. Begrünte Dächer und Gebäudefassaden, Wasserflächen und verschattete Plätze lindern Hitze und verbessern den Regenwasserrückhalt. Sie verbessern zugleich auch die Luftqualität. Eine nachhaltige Klimaanpassung macht unsere Infrastruktur nicht nur robuster, sie sichert auch den Standort Deutschland und bringt einen Mehrwert für unsere Lebensqualität.“

„Die Botschaft des Monitoringberichts lautet: Die Zukunft hat uns bereits erreicht. Deutschland steckt mittendrin in der Erderhitzung, mit weitreichenden Folgen für Umwelt, Gesellschaft und Gesundheit. Es muss dringend vorgesorgt werden, um diesen Folgen zu begegnen. Das Monitoring muss verbessert werden und die Folgen des Klimawandels auf der einen und staatliche Investitionen auf der anderen Seite komplett erfassen. Denkbar ist z. B. ein von Bund und Ländern getragenes und finanziertes Sonderprogramm Klimavorsorge“, sagt UBA-Präsidentin Maria Krautzberger.

Die Erhöhung der mittleren Temperatur ist mit einer höheren Anzahl „Heißer Tage“ verbunden – das sind Tage, an denen die Temperaturen über 30°C steigen. Diese ist seit 1951 von etwa 3 auf derzeit etwa 10 Tage pro Jahr gestiegen. Das belastet die Menschen zu, vor allem in den Städten. Erstmals enthält der Bericht bundesweite Aussagen zu hitzebedingten Todesfällen: Demnach sind im Jahr 2003 etwa 7.500 Menschen mehr gestorben als dies ohne Hitzeperiode zu erwarten gewesen wäre. In den Jahren 2006 und 2015 gab es stets 6.000 zusätzliche Todesfälle.

Stichwort „Wasserverfügbarkeit“: In den vergangenen 10 Jahren gab es immer häufiger niedrige Grundwasserstände, die in einigen Gemeinden bereits zu Problemen mit der Trinkwasserversorgung führten. Zunehmende Trockenheit und häufiger werdende Niedrigwasserstände in Flüssen beeinträchtigen die Ökosysteme, führen zu eingeschränkter Schifffahrt und gefährden die Versorgung von Kraftwerken und Industrie mit Kühlwasser. Auch Land- und Fortwirtschaft sind hier betroffen: So hat in den letzten 50 Jahren das verfügbare Wasser in landwirtschaftlich genutzten Böden deutlich abgenommen. Im Jahr 2018 verursachten Hitze und Trockenheit in der Landwirtschaft Schäden in Höhe von 700 Millionen Euro.

Jahres- und Vegetationszeiten verschieben sich – so stieg die Dauer der Vegetationsperiode von 222 Tagen (1951-1981) auf 232 Tage (1988-2017). Tier- und Pflanzenarten aus wärmeren Erdregionen breiten sich aus, darunter zum Beispiel die Sardine oder die Sardelle in der Nordsee oder die Asiatische Tigermücke an Land. Diese kann bislang in Deutschland nicht auftretende Krankheiten, wie Chikungaya- oder Dengue- Fieber, verbreiten. Die Folgen der Erderwärmung treffen auch Industrie und Wirtschaft, denn beide sind abhängig von funktionierenden Straßen, Häfen oder Wasserwegen. Die Infrastrukturen werden vor allem durch extreme Wetterereignisse, wie Stürme und Starkregen, geschädigt. Im Jahr 2018 entstanden so zum Beispiel an Häusern, Kraftfahrzeugen, Hausrat, Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft Versicherungsschäden in Höhe von etwa 3,1 Milliarden Euro. Laut der Versicherungswirtschaft gehörte 2018 zu den 4 schwersten Sturmjahren in den letzten 20 Jahre.

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