Sinkende Baugenehmigungen

Bezahlbares Bauland wird Schlüsselfaktor

Veröffentlicht am 1. November 2019

Viel Lebensqualität auf begrenzter Fläche: Reihenhäuser mit intelligenten Grundrissen können, insbesondere in den Randlagen der Großstädte, für eine Entlastung der Wohnraumnachfrage sorgen. (Foto: WeberHaus / BHW Bausparkasse)

„Die sinkenden Baugenehmigungen zeigen: Der Wohnungsneubau steht und fällt mit der Ausweisung von ausreichend bezahlbarem Bauland durch die Kommunen. In den A-Städten, in denen der Wohnraummangel am größten ist, fällt der aktuelle Rückgang bei den Baugenehmigungen besonders stark aus. Neue Wohnungen können aber nur geplant werden, wenn man auch weiß, wo man sie bauen soll“, warnt BFW-Präsident Andreas Ibel.

Angesichts der jetzt vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Baugenehmigungszahlen von Januar bis Juli 2019 scheint diese Warnung berechtigt: Im Erhebungszeitraum wurde der Bau von 196.400 Wohnungen genehmigt, was einem Rückgang um 3,4% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Bei neu zu errichtenden Wohnungen sanken die Baugenehmigungen um 4,1%. In den A-Städten fällt der Rückgang noch drastischer aus, wie der BFW-Präsident an den Baugenehmigungszahlen des ersten Halbjahres 2019 in Hamburg und Berlin illustriert: Obwohl sich die Politik in beiden Städten unterschiedlich stark für den Neubau engagiert, zeigt die Entwicklung der Baugenehmigungen in beiden Fällen – ohne die Ausweisung von mehr bezahlbarem Bauland, wird es keine Trendwende beim Neubau geben.

Hamburg: Ausgewiesene Baulandflächen sind ausgereizt

In Hamburg sind die Baugenehmigungen im Geschosswohnungsbau im ersten Halbjahr 2919 um 36% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eingebrochen, obwohl die Hansestadt im vergangenen Jahr Spitzenreiter unter den 7 A-Städten bei den Baufertigstellungen war. „Hamburg hat Tempo beim Neubau gemacht, vorhandene Flächen aktiviert und die Verfahren bei begonnenen Bauvorhaben beschleunigt“, erklärt Ibel. „Der starke Rückgang bei den Baugenehmigungen des ersten Halbjahres zeigt jedoch: Die ausgewiesenen Baulandflächen sind ausgereizt, die Projekte abgearbeitet. Es ist deshalb unabdingbar, dass nun in großem Maßstab neues Bauland für den Wohnungsneubau ausgewiesen wird.“

Berlin ist ein „Neubau-Verhinderer“

In Berlin sind die Baugenehmigungen im Geschosswohnungsbau im ersten Halbjahr 2019 um 13 Prozent zurückgegangen. „Berlin ist der Neubau-Verhinderer Nummer Eins unter den 7 A-Städten“, kritisiert Ibel. „Die Zahl der Grundstücke, die in Bauland umgewandelt wurden, hat sich in den vergangenen beiden Jahren halbiert. Zudem dauert dieser Prozess immer länger: Inzwischen beläuft sich die Dauer eines Bebauungsplanverfahren auf durchschnittlich 9 Jahre. Dann rollt aber immer noch kein Bagger – denn dann gehen noch mal ein paar Jahre für das Genehmigungsverfahren ins Land!“ Darüber werden Bauherren durch die zunehmend investorenfeindliche Stimmung, den Mietendeckel und die Enteignungsdiskussion verschreckt“, sagt Ibel weiter. Die Folgen sind bereits jetzt drastisch, resümiert der BFW-Präsident: Laut einer Umfrage des Landesverbandes Berlin-Brandenburg haben drei Viertel der befragten, mittelständischen Immobilienunternehmen anstehende Investitionen in der Hauptstadt inzwischen gestoppt.