Was ist Bauwerksdatenmodellierung?

BIM – die Zukunft am Bau hat begonnen

Veröffentlicht am 1. Oktober 2018

BIM ist Chance und Herausforderung zugleich für die Bau- und Immobilienwirtschaft: Durch BIM wird z.B. das Planen komplizierter Dachbereiche (Foto links) oder komplexer Reihenhausanlagen (Foto oben) einfacher, übersichtlicher und möglicherweise auch schneller umgesetzt werden können.

Die ganze Welt spricht von der Digitalisierung und ihren Chancen oder Risiken für die Wirtschaft sowie jeden einzelnen Bürger. Im Mittelpunkt stehen dabei häufig die Menschen, die aufgrund der Digitalisierung ihre Arbeit verlieren - und gleichzeitig auch Personen, die von ihr profitieren können. Im Zuge der Digitalisierung soll endlich auch Building Information Modeling (BIM) in die Bau- und Immoblienbranche eingeführt und gelebt werden. Doch was ist BIM? Wie funktioniert BIM und in welchen Bereichen kann sie sinnvoll eingesetzt werden?

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur erläutert: „Building Information Modeling bezeichnet eine kooperative Arbeitsmethodik, mit der auf der Grundlage digitaler Modelle eines Bauwerks die für seinen Lebenszyklus relevanten Informationen und Daten konsistent erfasst, verwaltet und schließlich in einer transparenten Kommunikation zwischen den Beteiligten ausgetauscht oder für die weitere Bearbeitung übergeben werden.“ (Quelle: „Stufenplan Digitales Planen und Bauen“ des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur) Seit mehr als 20 Jahren beschäftigen sich zahlreiche Menschen mit dem Thema BIM: Hierbei handelt es sich weder um eine Softnoch Hardware, sondern um ein Arbeitsmodell für die Planung und Konstruktion von Bauwerken aller Art – von der ersten Idee bis hin zur Wartung und den Betrieb des Gebäudes.

Klingt sehr einfach, ist aber kompliziert: BIM stellt eine äußerst komplexe Planungsmethode dar, welche in der Zukunft zu vielen Vorteilen führen wird. An dieser Stelle drängt sich ein Vergleich zu den elektronischen Warenwirtschafts-Programmen auf, die in der Vergangenheit Einzug in alle Bereiche der Industrie und des Handels gehalten haben und die heutzutage eine Selbstverständlichkeit darstellen, ohne die wohl kein Betrieb mehr funktionieren könnte. Als diese Systeme vor vielen Jahren nach und nach den Markt eroberten, mussten die Verantwortlichen lernen, in neuen Rollen und Prozessen zu denken. Für Unternehmen galt es, die Vorgänge innerhalb ihres Betriebes genau zu analysieren und zu dokumentieren, wie verschiedene Vorgänge zu bearbeiten sind.

Weiterhin musste durchdacht werden, welcher Mitarbeiter, welche Aufgaben, zu welchem Zeitpunkt übernehmen sollte, um diese erfolgreich abzuschließen. Prozesse und verschiedene Rollen in Übereinstimmung mit dem Personal zu gestalten – das war eine große Herausforderung, die dennoch erfolgreich gemeistert wurde, so dass die Warenwirtschaftsprogramme heute kaum noch wegzudenken sind. Ähnlich verhält es sich mit der Bauwerksdatenmodellierung, die sich allerdings deutlich komplizierter und komplexer als Warenwirtschaftssysteme gestaltet. Die Planung und Herstellung eines Bauwerkes ist immer eine sehr individuelle Aufgabe, da jedes von ihnen – wie etwa Brücken, Einfamilienhäuser oder komplexe Industriegebäude – vollkommen anders ist.

Das bedeutet, dass BIM unglaublich flexibel und breit gestaltet werden muss: Prozesse und Rollen innerhalb von BIM sind bei jedem Projekt neu zu definieren und zu gestalten. Die Systematik bleibt jedoch immer dieselbe: Ein intelligentes und digitales Modell wird in mehreren Dimensionen entworfen. In diese Planungsphase werden, entgegen der bisherigen Arbeitsweise, bereits alle Abschnitte der Ausführungsplanung einbezogen. Baumängel oder Baufehler werden bei konsequenter Anwendung von BIM erheblich reduziert und in Teilbereichen sogar ausgeschlossen. Ein Beispiel: Der Architekt konzipiert im Zuge der Ausführungsplanung einen Lüftungsschacht, der über mehrere Geschosse verläuft und diese erschließt. Sofort sieht der Verantwortliche für Brandschutz, dass Änderungen vorgenommen wurden, die unter Umständen nicht den Normen entsprechen und kann darauf reagieren.

In absehbarer Zukunft wird BIM so intelligent sein, dass unzulässige Planungen dieser Art gar nicht mehr möglich sein werden. Die Bauwerksdatenmodellierung ist somit eine riesige Chance für die Bau- und Immobilienwirtschaft. Durch sie wird das Planen von Bauwerken übersichtlicher und möglicherweise auch schneller. Da BIM alle Konzepte dreidimensional erstellen kann, vereinfacht sie zudem auch die Kommunikation der einzelnen Akteure. Doch alle Medaillen haben 2 Seiten: Bei Bauwerken, die mit BIM geplant und gestaltet werden, sind gut ausgebildete und geschulte Mitarbeiter mit anderen Qualifikationen nötig. Gerade im Rahmen größerer Projekte wird es zusätzliche Rolleninhaber geben müssen, die mit dem eigentlichen Bau nichts zu tun haben, sondern BIM pflegen und warten. Sie werden als Koordinatoren mit allen Beteiligten kommunizieren und juristische Fragen von Datenschutz bis hin zum Schutz von Urheberrechten klären.

BIM wird alle Ebenen eines Projektes betreffen – vom Investor, über den Architekten, den Fachplaner sowie den Handwerker bis zum späteren Nutzer des Bauwerkes. Das erfordert ein Umdenken aller Akteure: So müssen Unternehmen beispielsweise ihre bisherigen Mitarbeiter schulen, damit diese ganz neue Funktionen übernehmen können, oder weitere Arbeitnehmer einstellen, die sich bestens auf BIM verstehen. Um die Bauwerksmodellierung optimal nutzen zu können, wird es, ähnlich wie bei der Einführung von CAD, zudem wichtig sein, eine neue Infrastruktur aufzubauen.

So ist fest davon auszugehen, dass BIM schon sehr bald Standard in der Planung und Ausführung aller Bauwerke sein wird – ob nun im großen Stil oder auch als BIM-Light-Version für die Gestaltung kleinerer Projekte. Im Gegensatz zu Neubauten, werden Bauwerke, die bereits seit vielen Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten existieren, im Übrigen eine spezielle Herausforderung darstellen. Schließlich wurden diese oft durch Sanierungen oder Umbauten modifiziert. Diese Veränderungen wurden aber teilweise gar nicht dokumentiert oder sind in einer Form vorhanden, die mit den ursprünglichen Planungsunterlagen nicht kompatibel sind. Vorrangige Aufgabe wird es sein, die Umstellung und schrittweise Einführung von BIM in den Arbeitsalltag zu begleiten. Es wird sehr wichtig sein, den Unterschied von Großprojekten und kleinen Bauvorhaben herauszuarbeiten und für alle Projektgrößen optimale Prozesse und Rollen zu definieren.

Es ist sicherzustellen, dass kleine, regionale Planungsbüros, Bauträger, Immobilienunternehmen und Bestandshalter nicht überlastet werden. Stattdessen sollte sich die Einführung von BIM schrittweise und den Bedürfnissen des Unternehmens entsprechend gestalten. Von zentraler Bedeutung ist zudem, dass die Hochschulen und Bildungseinrichtungen die richtigen Inhalte lehren und nicht nur den Nachwuchs, sondern auch langjährige Mitarbeiter auf den neusten Stand bringen. Dazu wird es nötig sein, dass sie eng mit international agierenden Arbeitsgruppen, wie dem buildingSMART, kooperieren und hier ein reger Austausch stattfindet. Der BFW als Verband der mittelständischen Immobilienwirtschaft wird die verschiedenen Arbeitsgruppen begleiten und die Entwicklung und Gestaltung von BIM aus der Sicht seiner Mitgliedsunternehmen unterstützen sowie kommentieren. Der BFW wird aktiv in dem neugegründeten BIM-Cluster Niedersachsen und der BIM-Regionalgruppe Hannover-Göttingen-Braunschweig- Wolfsburg mitarbeiten. Besonders erfreulich ist, dass Mitarbeiter aus Mitgliedsunternehmen, die die Bauwerksdatenmodellierung bereits anwenden, für eine Mitarbeit in diesen Gremien gewonnen werden konnten.

Ihr
David Jacob Huber
BFW-Geschäftsführer Landesverband Niedersachsen / Bremen