Autor und Unternehmer Karl H. Grabbe

„Die geplante Wohnungsnot“

Veröffentlicht am 1. Dezember 2018

Paperback: 320 Seiten Verlag: 26 RANDOM Sprache: Deutsch ISBN: 978-3-7407-4681-0 Preis: 29,95 Euro

„Als ich geboren wurde, gab es 1,4 Milliarden Menschen auf der Welt. Heute sind es 7,4 Milliarden, die sich die Erde teilen - verbunden durch Internet und Medien, entsteht eine neue Völkerwanderung. Planerisches Umdenken ist erforderlich - weg von der Blut-und-Boden-Politik des freistehenden Einfamilienhauses, hin zu Wirtschaftlichkeit und höheren Baudichten. Von der teuren Feinkost hin zu Aldi.

Das Gegenteil ist der Fall: Bauanträge sind heute ein Paket, vor 50 Jahren waren es nur 1 Formular, 4 Unterlagen und die Statik. Jetzt ist es ein Buch. Statt dem Bebauungsplan, gab es früher das Konklusum. Heute beschäftigen sich ganze Heerscharen von Planern zeitaufwendig mit Bebauungsplänen – bis zum letzten Fassadenstein wird das staatliche Planungsmonopol zur ästhetischen Vorgabe.

Genies, möglichst aus dem Ausland, sind gefordert, wo eigentlich nur der demografisch begründete Bedarf möglichst preiswert gedeckt werden muss. Modewellen erfassen die Gestaltung. Modeschöpfer werden tätig, wo es, wie bei den meisten Planern, auch eine gut geschnittene Jeans tut. Planungsprozesse dauern oft zinsträchtige Jahre: Ein Reihenhaus mit 80 qm Wohnfläche auf 150 qm erschlossenem Grundstück zu 350 Euro je qm verteuert bei 5% Zinsen und 2% Baukostensteigerung jeden Monat die Belastung oder Miete um über 300 Euro. Staatlich spielen Zinsen keine Rolle.

In der Wirtschaft jedoch und bei der Leistungskraft der Bauherren haben sie folgenschweren Einfluss. Den meisten Planern wird nicht klar, dass Umweltbelastung, Verkehr, Entsorgung sowie Infrastruktur-Unterhaltungskosten nicht linear, sondern mit der beplanten Fläche quadratisch steigen. Die hohen Kosten werden durch die Enteignung der Vermieter über die Mietpreisbremse und Mietobergrenzen ausgeglichen, der Druck des Marktes wird neutralisiert, wie einst in der DDR. Das führt dazu, dass die verbrauchte Wohnfläche je Person steigt, denn keine alleinstehende Witwe kann es sich leisten, in eine kleinere Wohnung umzuziehen. Die Kosten wären viel höher als in ihrer großen Altbauwohnung, die so für Familien mit Kindern blockiert wird.

Langsam „erwürgen“ auch die Nebenkosten die Frau finanziell: Umweltschutzauflagen sind teuer, die Heizkosten steigen ebenso, wie Entsorgung, Wasser, Strom, TV und andere. Und nur wenigen ist eigentlich klar, dass unwirtschaftliche Planung am Anfang des Problems – auch für die vorhandenen Wohnungen – steht. Demonstrationen für niedrigere Mieten finden statt. Aber Mieten müssen teurer sein als eine eigene Wohnung oder das eigene Haus. Finanzierungskosten, Verwaltung, Renovierung und, Abschreibung, behördliche Auflagen, neue Vorschriften sowie Mietausfälle und noch vieles mehr schlagen zu Buche. Im eigenen Haus fällt vieles davon aber nicht an bzw. entscheidet der Eigentümer selbst darüber.

Dazu kommt, dass jede neue Vorschrift auch neue Fachleute benötigt. Die wollen Geld und sind sicher nicht bereit, ihren Beruf später wieder aufzugeben, sondern wollen eher ihr Aufgabengebiet ausweiten. Um Reihenhäuser z.B. durch Heizthermen mit Außenwandentlüftung, wie in Frankreich oder Holland, zu verhindern, wurden 3 verschiedene Vorschriften geändert – zugunsten der Schornsteinfeger und die kosten nun eben mal Geld.
Jeder Industrieverband beschäftigt Lobbyisten, die den Materialeinsatz erhöhen sollen: Wo früher schalldämmende Teppiche reichten, muss jetzt teurer schwimmender Estrich eingebaut werden. Wo früher eine 12,5 cm Wand als Deckenauflager reichte, sind es heute 17,5 cm – 40% mehr Material also, das verkauft werden kann. Statt einer einheitlichen bundesweit geltenden Bauordnung, schafft sich jedes Land und jede Stadt eine eigene. So kann der zuständige Oberbaurat – mit Nebenarbeitsgenehmigung natürlich – mit entsprechenden Kommentierungen zusätzlich Geld verdienen. Fachverlage leben davon. Umweltschutzgutachten kosten ebenfalls Geld.

Nachbarschaftseinflüsse werden durch die Baunutzungsverordnung geschützt. Wer will schon, dass sein Paradies gestört wird? Sicherlich, es gibt Wohnungsnot bundesweit, aber daran sind doch die vielen Ausländer schuld. Oder? Was wollen die hier? So könnte man fragen. Auch die Grundsteuer könnte regulierend auf den Wohnungsmarkt wirken, wenn sie an die Grundstücksgröße gebunden wäre. Dann würde der Grundstücksmarkt elastischer. Wunschträume? Sicherlich! Aber vielleicht lohnt es sich, einmal darüber nachzudenken…“

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