Institut für Wärme und Oeltechnik (IWO)

Klimaschutzprogramm verunsichert Verbraucher

Veröffentlicht am 1. November 2019

Die Mitarbeiter der SHK-Fachbetriebe beraten Hauseigentümer kompetent noch bis Jahresende über die Aktion „Besser flüssig bleiben“. (Foto: IWO)

Aufgrund der aktuellen Beschlüsse des Klimakabinetts, jagt eine Schlagzeile die nächste. Wer heute mit Öl heizt, fühlt sich da schnell verunsichert. Die beschlossenen Eckpunkte für ein Klimaschutzprogramm sind jedoch noch keine verbindlichen Regelungen. Viele der Maßnahmenvorschläge müssen noch in ein Gesetzgebungsverfahren. Dabei ist die Zustimmung des Bundestags bzw. des Bundesrats notwendig. Änderungen einzelner Inhalte sind also noch denkbar.

Noch bis Ende 2025 können Hauseigentümer wie bisher bei der Heizungsmodernisierung ein Öl-Brennwertgerät einbauen. Erst ab 2026 sollen Ölheizungen nur noch eingebaut werden dürfen, wenn sie erneuerbare Energien mit einbinden. Das können z.B. Solarthermie- oder Photovoltaikanlagen sein. Zudem wird es ab 2021 einen CO2-Preis für fossile Energieträger geben. Dieser soll für fossiles Heizöl 2021 ungefähr 3 ct/l betragen und bis 2025 auf ca. 10 ct/l steigen. Übrigens, bestehende Ölheizungen können auch über das Jahr 2026 hinaus betrieben werden. Bis Ende 2025 kann ein alter Ölkessel ganz einfach gegen ein neues Öl-Brennwertgerät ausgetauscht werden. Eine solche Modernisierung lohnt sich weiterhin, da ein effizientes Öl-Brennwertgerät den Heizölbedarf deutlich reduzieren kann. Ab 2026 ist es erforderlich, bei der Modernisierung mit Öl- Brennwerttechnik zusätzlich erneuerbare Energien einzubinden.

Gibt es eine „Abwrackprämie“ für alte Heizungen?

Die Beschlüsse sehen eine Austauschprämie für alte, ausschließlich mit fossilen Energieträgern betriebene Heizungen vor. Dabei soll die Umstellung auf erneuerbare Heizsysteme mit bis zu 40 % unterstützt werden. Ist dies nicht möglich, soll ein Gas-Hybridsystem, das erneuerbare Energien einbindet, gefördert werden.

Gibt es Fördermittel für eine neue Öl-Brennwertheizung?

Der Einbau eines Öl-Brennwertgeräts soll noch bis zum Ende des Jahres 2019 staatlich gefördert werden. Über die KfW-Bank sind Investitionskosten- Zuschüsse von bis zu 15 Prozent möglich. Ab dem nächsten Jahr fällt die staatliche Unterstützung für den Einbau reiner Brennwertheizungen dann voraussichtlich weg. Förderaktionen, z.B. von Heizgeräteherstellern, sind davon nicht betroffen.

Was kann man Ölheizern jetzt raten?

Für Ölheizer besteht aktuell eigentlich kein Handlungsdruck: Planen Kunden derzeit eine Heizungsmodernisierung mit Öl-Brennwerttechnik, können sie diese weiterhin umsetzen. Bis Ende des Jahres können sich Endverbraucher über die Aktion „Besser flüssig bleiben“ noch die maximale staatliche Förderung sichern. Die Gelder müssen beantragt werden, bevor die Maßnahme startet. Die Einbindung erneuerbarer Energien hilft grundsätzlich, die CO2- Emissionen eines Hauses noch weiter zu verringern und ist daher eine sinnvolle Maßnahme. Hausbesitzer können diese Einbindung aber auch unabhängig von der Heizungsmodernisierung vornehmen. Erst ab 2026 ist die Einbindung der erneuerbaren Energien dann Pflicht, wenn eine neue Ölheizung eingebaut wird.

Wie schätzt IWO die aktuellen Beschlüsse ein?

Wenn der Beschluss des Klimakabinetts, so wie vorgeschlagen, umgesetzt wird, ist das kontraproduktiv und ungerecht. Millionen Menschen, die im ländlichen Raum leben, sollen nicht nur zusätzliche Auflagen bei der Heizungsmodernisierung bekommen. Sie würden auch bei künftigen Fördermaßnahmen massiv benachteiligt. Denn der Umstieg auf rein erneuerbare Heizsysteme wird häufig aus technischen oder finanziellen Gründen nicht ohne Weiteres möglich sein. Daher würde diese Regelung vermutlich dazu führen, dass ein Hausbesitzer mit Gas-Anschluss eine kostenseitig sehr attraktive Möglichkeit zum Wechsel von der Ölheizung weg, hin zu einer Gas-Hybridheizung gefördert bekommen würde. Der Hausbesitzer im ländlichen Raum hingegen nicht, da eine Förderung von Öl-Hybridsystemen nach den Plänen der Bundesregierung derzeit nicht vorgesehen ist.

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