BFW-Editorial von David Jacob Huber

Stellungnahme zu aktuellen Themen

Veröffentlicht am 1. September 2018

BFW-Geschäftsführer David Jacob Huber vom Landesverband Niedersachsen / Bremen.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Immobilienfreunde, ganz abgesehen von den schier unglaublichen Vorgängen in der Bundesregierung steht uns ein heißer Herbst bevor: In Niedersachsen gehen die Tagungen der Arbeitsgruppen im Rahmen des „Bündnisses für bezahlbares Wohnen in Niedersachsen“ in die Endrunde - die Abschlussberichte, die der Landesregierung vorgelegt werden sollten. Ich bin sehr gespannt, welche Ergebnisse nun beim „Wohnungspolitischen Kongress“ in Berlin präsentiert werden und wie die Landesregierung den Bau von Wohnraum ankurbeln will.

Ich hätte da ein ganz einfaches Rezept: Man stelle uns genug Bauland zur Verfügung, vereinfache und beschleunige die Bauantragsverfahren, vereinfache auch die Baunormen und stelle uns genügend Facharbeiter, Planer und Ingenieure zur Verfügung. Dann können unsere Unternehmen agieren und bauen und so die akute Wohnungsnot lindern. Aber: Jeder einzelne Punkt dieses „Rezeptes“ hat es in sich. Bauland? Bauland wird immer teurer und der Kampf um die letzten Quadratmeter immer härter. Die Anforderungen der Kommunen, die dieses Bauland besitzen oder darüber bestimmen können, werden immer absurder.

Von Wettbewerben über Konzeptvergaben bis hin zum Meistbieterverfahren ist alles möglich. Zeit und Geld wird in aufwändigen Vergabeverfahren verschwendet und neues Bauland wird da, wo es gebraucht wird, nicht mehr zur Verfügung gestellt. Bauantragsverfahren? Die Unterlagen, die mit dem Bauantrag einzureichen sind, werden immer umfangreicher. Ein besonderes Unding ist es, dass Gutachten, die von öffentlich bestellten und vereidigten Gutachtern erstellt und mit dem Bauantrag eingereicht werden, noch von einen weiteren Gutachter begutachtet werden müssen. Und wieder wird auf diese Weise Zeit und Geld verschwendet.

Baunormen? In den Normenausschüssen sitzen immer mehr Vertreter oder Lobbyisten der Zulieferer und setzen deren Anforderungen an den Schallschutz, die Lüftung, die Dämmung, die Beschattung und vieles mehr durch. Längst schon haben wir die Zeit, in der verschieden Normen aufeinander abgestimmt wurde, verlassen. Es wird nicht mehr vernetzt gedacht und somit wird es den Planern und Bauschaffenden nahezu unmöglich gemacht, ein normengerechtes Gebäude herzustellen.

Der Unternehmer und auch der Erwerber der Immobilie sind in der Auswahl der technischen Gebäudeausstattung nicht mehr frei. Facharbeiter? Die Bildungsoffensiven der vergangenen Jahrzehnte hat viele Hochschulabsolventen produziert, die nun darauf warten, dass ein Handwerker ihre Planungen in die Realität umsetzt. Ja, die Vergangenheit wird uns in Zukunft einholen: Handwerk wird wieder einen goldenen Boden haben, denn der Handwerker wird der gefragteste Mitarbeiter der Zukunft werden.

Und die Politik – sie hat nichts daraus gelernt: In den einzelnen Bundesländern werden die Mindestanforderungen für ein erfolgreiches Abitur immer weiter reduziert – nur, um möglichst vielen Kindern und Jugendlichen das Abitur überhaupt erst zu ermöglichen. Liebe Bildungspolitiker, wie wäre es denn mit der Idee, den Kindern und Jugendlichen beizubringen, dass Leistung und der Wille, etwas zu erreichen, wichtiger ist als eine Gleichung richtig rechnen zu können?

Wie wäre es mit der Idee, den Kindern beizubringen, dass Fleiß und Ehrgeiz die Garanten für Erfolg und ein zufriedenes Leben sind? Wie wäre es, wenn sie diese Maxime unserem Nachwuchs vorleben würden? Wie wäre es, wenn sie mal auf die Idee kämen und unseren Kindern beibringen würden, dass ein Beruf, der verbunden mit harter Arbeit ist, auch zu einem zufriedenen Leben führen kann? Die Erkenntnis, dass man mit einem Hammer oder einer Säge in der Hand sein Geld redlich verdienen und sein Leben selbstbestimmt führen kann, ist ihnen wohl fremd – oder?

In Bremen beginnt nun der Bürgerschaftswahlkampf: Plötzlich sieht man Politiker, die man in den vergangenen 4 Jahren nicht gesehen hat, wieder auf der Straße. Sie erwachen plötzlich aus ihrem Dornröschenschlaf und agieren nun, wie hyperaktive Eichhörnchen auf Drogen, nur um erneut gewählt zu werden. Und sie versprechen Dinge, von denen sie keine Ahnung haben, wer sie bezahlen soll. Und: Plötzlich werden Programme vorgestellt, die Vieles besser machen sollen.

Liebe Bürgerschaftsabgeordnete, wieso haben Sie in der ablaufenden Legislaturperiode nichts erreicht? Warum sollte man ihnen nun Ihre Versprechen glauben, wenn man weiß, dass Ihnen diese Themen in den vergangenen 4 Jahren sprichwörtlich „am A…“ vorbeigegangen sind?
Ich wage die Voraussage, dass die Wahlbeteiligung in Bremen einen weiteren Tiefstand erreichen wird, die Politikverdrossenheit in Bremen ist spürbar. Nur die extremen Parteien werden es schaffen, ihre Wähler an die Urnen zu treiben – das Ergebnis lässt sich somit heute schon fast voraussagen.

Nun liegt es an uns, kühlen Kopf zu bewahren und sich für Themen zu engagieren, die wichtig sind. Mir und dem BFW-Niedersachsen / Bremen ist der soziale Wohnungsbau nach wie vor sehr wichtig und ich werde überall da, wo meine Meinung und Expertise gefragt ist, konstruktiv an diesen Themen mitarbeiten. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen heißen und dennoch entspannten Herbst.

Ihr
David Jacob Huber
BFW-Geschäftsführer Landesverband Niedersachsen / Bremen