BFW-Editorial von David Jacob Huber

Stellungnahme zu aktuellen Themen

Veröffentlicht am 1. Januar 2019

BFW-Geschäftsführer David Jacob Huber vom Landesverband Niedersachsen / Bremen.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Immobilienfreunde, ich wünsche Ihnen heute noch alles Gute für das neue Jahr. Vor allem wünsche ich Ihnen Glück, Erfolg, Zufriedenheit und Gesundheit. So ein Jahreswechsel ist natürlich immer wieder ein Anlass, einen Blick zurück zu werfen und sich auf die wesentlichen Dinge zu besinnen: Das Jahr 2018 war geprägt von so vielen Dingen, wie Dieselfahrverbote, Klimawandel und dessen Auswirkungen und vor allem aber auch von einem langen, trockenen Sommer mit teilweise schon fatalen Folgen für Mensch und Natur. In der politischen Diskussion haben wir viel über Regierungskrisen, Flüchtlinge, die angeblich unser Abendland bedrohen, Heimat, die verloren zu gehen scheint und Wohnungsknappheit gehört und gelesen.

Vor allem aber haben wir festgestellt, wie schnell so ein Jahr vorbei sein kann, wie schnell die Zeit vergeht. Ich persönlich habe das Jahr 2018 als viel zu kurz empfunden und das trotz der Tatsache, dass wir wohnungspolitisch gerade in Niedersachsen viel geschafft und wichtige und wertvolle Grundlagen für die Arbeit in diesem Jahr gelegt haben. Eine Steuerungsgruppe, 5 Facharbeitsgruppen, rund 100 Beteiligte aus vielen Verbänden, Organisationen und Behörden haben sich in Hannover getroffen, um Leitlinien für den Wohnungsbau in Niedersachsen zu erarbeiten. Rund 2.500 Arbeitsstunden wurden in diversen Sitzungen geleistet, dazu kommen noch die vielen Arbeitsstunden für Vor- und Nachbereitung der Tagungen und der Wohnungspolitische Kongress – das alles zusammen ergibt eine Vorleistung und auch einen Vertrauensvorschuss in die Arbeit der Landesregierung. Denn keiner von uns wäre bereit gewesen, all das zu tun, wenn wir nicht die Gewissheit gehabt hätten, dass wir damit etwas bewegen. Nun ist die Abschlusskonferenz schon über 3 Monate her und wir warten auf Ergebnisse. Die Wohnungswirtschaft wartet auf klare Signale und belastbare Aussagen:

Als erstes soll das Förderprogramm für den geförderten Wohnungsbau kommen. „Es wird Zeit, dass Ergebnisse vorliegen, die Unternehmen brauchen Planungssicherheit.“ Das war die Grundaussage beim Jahresempfang des BFW im hannoverschen Restaurant „Die Insel“, bei dem rund 90 Personen aus Politik, Wirtschaft und Wohnungsunternehmen zugegen waren. Wir wissen, dass es in vielen Fällen leichter ist, etwas zu fordern, als es dann tatsächlich umzusetzen. Das Förderprogramm ist gerade in der Abstimmung zwischen den Ministerien und das kann erfahrungsgemäß etwas dauern. Parallel dazu wird eine Fortsetzung der Arbeitsgruppentagungen vorbereitet, um die grob umrissenen und beschriebenen Themenfelder zu bearbeiten und zu konkretisieren. Das wird nun, so die Aussagen aus dem Ministerium, sehr zügig gehen, denn es werden Ergebnisse erwartet.

Was bringt das neue Jahr?

Ja, und damit sind wir nun beim Jahr 2019 und dem, was uns dieses Jahr erwartet: Der Wohnungsengpass wird sich weiter zuspitzen, zumal nun eine weitere Gruppe von Wohnungssuchenden immer stärker auf den Markt drängt – die anerkannten Flüchtlinge mit Bleiberecht, die jetzt aus den Übergangsheimen und Gruppenunterkünften heraus in verfügbare Wohnungen umsiedeln sollen. Im Jahr 2019 wird sich die Knappheit an Bauland weiter verschärfen, denn die Projekte, die geplant sind, werden nun in die Umsetzung kommen und für weitere neue Projekte fehlt es schlichtweg an bezahlbarem Bauland.

Es ist schier ein Ding der Unmöglichkeit, auf hochpreisigen Grundstücken mit hohen Erschließungskosten bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, zumal einerseits die technischen und energetischen Anforderungen und andererseits aber auch die architektonischen immer weiter steigen. Nein, das ist kein Aufruf, wieder zur monotonen Eintönigkeit der Architektur, wie in den frühen 60er-Jahren, zurückzukehren aber wir müssen uns schon fragen, ob überall und bei jedem Gebäude ein Architekturwettbewerb nötig ist, ob die Fassaden- oder Dachgestaltung unbedingt von der Kommune vorgeschrieben werden muss oder ob überall Gründächer oder Klinkerfassaden nötig sind.

Wir fordern von der Politik und Verwaltung, insbesondere von den Bauämtern, Augenmaß und Vernunft. Wir sind uns sicher, dass in der Kommunikation und offenen Diskussion Lösungen gefunden werden können, die städtebaulich attraktiv und dennoch bezahlbar sind. Flexible, an den Bedarf angepasste Vorgaben, auch in Bezug auf Stellplätze, Carsharing- und Pedelecparkplätze, müssen gefunden werden, um Wohnen auch für die Zukunft bezahlbar zu halten. Die Themenfelder des Jahres 2019 sind von daher nichts Neues, aber heute drängender denn je: Bezahlbares Wohnen in attraktiven Quartieren und weltoffenen, zukunftssicheren Städten, Gemeinden und Dörfern. Der Mensch muss endlich wieder im Mittelpunkt der Wohnbaupolitik stehen. Sie sehen, es gibt viel zu tun – packen wir’s an.

Ihr
David Jacob Huber
BFW-Geschäftsführer Landesverband Niedersachsen / Bremen