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Vorbildliche Klimaschutz- Projekte vorgestellt

Veröffentlicht am 1. September 2019

Die Bereisung führte den Ausschuss unter anderem in das neue Wohnquartier CALEIDIS in Wennigsen, das auf ehemaligen Grundstücken der Klosterkammer entsteht und etwa 500 Bürgern eine neue Heimat bieten soll. (Foto: Claus Kirsch / Region Hannover)

Über beispielhafte Klimaschutz-Projekte haben sich jetzt die Mitglieder des Regionsausschusses für Umwelt und Klimaschutz (AUK) gemeinsam mit Christine Karasch, Dezernentin für Umwelt, Planung und Bauen in der Region Hannover, informiert. Die von der Klimaschutzleitstelle der Region organisierte Bereisung führte zu Zielen in Hannover, Wennigsen und Barsinghausen - ein ehemaliger Expo-Pavillon, ein Vereinssportheim und eine PV-Freiflächenanlage.

Leuchtturmprojekt „Dänischer Pavillon“

Carsten Grobe, Inhaber und Geschäftsführer des gleichnamigen Architektur- und TGAPlanungsbüros, saniert derzeit in Hannover den ehemaligen Dänischen Expo-Pavillon zu einem hoch energieeffizienten Büro- und Veranstaltungsgebäude. Alle Gebäudeteile sollen am Ende der Sanierung den energiesparenden Passivhausstandard erfüllen. Als „Plusenergiegebäude“ soll der Pavillon sogar eine positive Energiebilanz aufweisen. Das Herzstück hierfür ist die innovative und rund 325 qm große Photovoltaikanlage, wovon 230 qm mit einem Wärmetauscher hinterlegt sind. Für die Kombination aus Photovoltaik und Solarthermie kommen gebäudeintegrierte, regendichte PVT-Kollektoren (photovoltaisch- thermische Kollektoren) zum Einsatz. Sie erzeugen Strom und Wärme und fungieren gleichzeitig als Dach des Hauptgebäudes.

Kombiniert mit einer reversiblen Wärmepumpe, die sowohl Wärme als auch Kälte liefern kann, lässt sich der Heiz- und Kühlbedarf des Gebäudeensembles komplett decken. Zudem kühlt die Wärmeträgerflüssigkeit der PVT-Kollektoren die Photovoltaikmodule, was den Stromertrag erhöht. „Bei der Installation verwenden wir ein neuartiges, flexibles und universelles Montagesystem, in dem alle marktüblichen rahmenlosen PV-Qualitätsmodule verbaut werden können“, erläuterte Carsten Grobe. Die Region Hannover fördert die PVT-Anlage mit bis zu 100.000 Euro über die Leuchtturmrichtlinie für regional bedeutsame Klimaschutzvorhaben. Christine Karasch, Dezernentin für Umwelt, Planung und Bauen der Region Hannover, stellte die Multiplikatorenwirkung des Projekts heraus. „Die innovative Anlage hat Vorbildcharakter für den Einsatz in anderen Wohn- und Nichtwohngebäuden.“

Wohnquartier CALEIDIS in Wennigsen

In Wennigsen informierten sich die Ausschussmitglieder über das neue Wohnquartier CALEIDIS, das aktuell auf ehemaligen Grundstücken der Klosterkammer entsteht. Auf dem 7 Hektar großen Gelände an der „Degerser Straße“ werden ca. 80 Einfamilienhäuser, Doppelhaushälften und Reihenhäuser sowie 8 Mehrfamilienhäuser mit Eigentumswohnungen errichtet. Das zentral gelegene und hervorragend an die S-Bahn angeschlossene Quartier ist für etwa 500 Menschen geplant. Investor ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Ideal Wohnen und Dereco aus der Rhein-Metropole Köln. Der Investor errichtet das neue Quartier ausschließlich im Standard „KfW-Effizienzhaus 55“: Diese Häuser benötigen 45 Prozent weniger Primärenergie im Jahr als es die aktuelle Energieeinsparverordnung (EnEV) fordert.

Als Impuls des Klimaschutzkonzeptes der Gemeinde Wennigsen enthält der Bebauungsplan aus dem Jahr 2012 eine Obergrenze des Jahresprimärenergiebedarfes für die Gebäude, die bei 70 Prozent der EnEV-Vorgabe liegt. Die Häuser im Quartier erfüllen diese Grenze problemlos. Die Wärmeversorgung wird durch die Stadtwerke Springe über ein etwa 1.900 Meter langes Nahwärmenetz erfolgen. Einen eigenen Heizkessel benötigen die Häuser des neuen Quartiers daher nicht. Für die Wärmeerzeugung errichtete das Unternehmen bereits eine Heizzentrale mit Blockheizkraftwerk, Holzpellet-Kessel sowie Erdgas-Brennwert-Kessel für die Spitzenabdeckung. „Es ist wegweisend, dass die Heizwärme für sämtliche Gebäude des Wohnquartiers überwiegend regenerativ erzeugt wird“, sagte Wennigsens Bürgermeister Christoph Meineke.

e.coSport-Projekt TSV Egestorf

Der TSV Egestorf hat seine Vereinsstätte im Zuge des Programms e.coSport energetisch saniert. Die Region Hannover unterstützte den Verein hierbei mit einer Fördersumme von ca. 55.000 Euro. Bei der im August 2018 abgeschlossenen Sanierung tauschte der TSV Egestorf die alte Heizungsanlage gegen eine Brennwertheizung aus und installierte eine Solaranlage für die Warmwasserbereitung. Außerdem setzte der Verein in den Vereinsgebäuden neue Fenster und Türen im Passivhausstandard ein. Durch die Umsetzung dieser Maßnahmen sinkt der Energieverbrauch um 35 Prozent, was rund 10 Tonnen CO2 pro Jahr einspart. „e.coSport steht für praktischen Klimaschutz und macht die Vereine fit für die Zukunft“, betonte die stellvertretende Ausschussvorsitzende Ute Lamla. Sie lobte besonders das Konzept des e.co- Sport-Programms, zu dem eine fundierte Beratung der Vereine vor und während der Sanierung zählt.

PV-Freiflächenanlage in Groß Munzel

Abschließend besichtigten die Ausschussmitglieder die größte PVFreiflächenanlage in der Region Hannover. Der Solarpark auf dem ehemaligen Zuckerfabrikgelände in Groß Munzel ging im Jahr 2012 ans Netz. Errichtet hat ihn die hannoversche AS Projekte GmbH für das Kölner Immobilienunternehmen Schorn. Mehr als 24.000 Solarmodule mit einer Leistung von insgesamt 5,8 Megawatt produzieren auf dem 6 Hektar großen Gelände rund 5,6 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr. Damit lässt sich rechnerisch der jährliche Strombedarf von 1.500 Drei-Personen-Haushalten decken. „Wir brauchen die Solarenergie, um das Ziel einer klimaneutralen Region bis zum Jahr 2050 erreichen zu können“, sagte Regionsdezernentin Christine Karasch.