Auf ein Wort

Veröffentlicht am 1. Oktober 2026

Auf ein Wort

BFW-Geschäftsführer David Jacob Huber (Foto: BFW Niedersachsen-Bremen)

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Immobilienfreunde, wenn Sie diese Zeilen lesen, ist die Kommunalwahl in Niedersachsen bereits Geschichte. Am 13. September haben rund 6,5 Millionen Wahlberechtigte über die künftige Zusammensetzung der Räte, Kreistage und Stadtspitzen entschieden.

Die Plakate sind abgehängt, die Koalitionsverhandlungen laufen, und überall im Land konstituieren sich neue Kommunalparlamente. Für uns als BFW-Landesverband Niedersachsen/Bremen beginnt jetzt die eigentliche Arbeit. Denn eines ist klar: Diese Wahl war eine Richtungsentscheidung für den Wohnungsmarkt – und die frisch gewählten Mandatsträger haben es jetzt in der Hand, ob der Wohnungsbau in unseren Städten und Gemeinden endlich wieder Fahrt aufnimmt. Rechtzeitig vor der Wahl haben wir unser Positionspapier der mittelständischen Immobilienwirtschaft zur Kommunalwahl vorgelegt und damit den Kandidatinnen und Kandidaten einen klaren Fahrplan an die Hand gegeben.

Die Resonanz war beachtlich: In zahlreichen Gesprächen vor Ort, bei Wahlforen und in den Parteizentralen haben wir unsere Forderungen eingebracht – und viele offene Türen eingerannt. Unsere rund 100 Mitgliedsunternehmen verantworten ungefähr 60 Prozent des Geschosswohnungsbaus in den Metropolregionen Niedersachsens und rund ein Drittel des Gewerbebaus. Wir verwalten rund 80.000 Wohnungen in Niedersachsen und 50.000 in Bremen. Wer über Wohnungspolitik redet, muss mit uns reden – das haben die vergangenen Wochen eindrucksvoll gezeigt. Und der Handlungsdruck bleibt enorm. Zwar gibt es ein erstes, vorsichtiges Aufatmen: Die Baugenehmigungen sind im ersten Halbjahr 2026 bundesweit um gut 15 Prozent gestiegen – der stärkste Anstieg seit zehn Jahren.

Doch wir alle wissen: Genehmigt ist noch lange nicht gebaut. Der Anstieg kommt von einem dramatisch niedrigen Niveau, und gleichzeitig warnen die Bauverbände zu Recht vor einer wachsenden Zahl von Stornierungen. In Niedersachsen wurden im vergangenen Jahr nur rund 15.400 Wohnungen fertiggestellt – ein Minus von 20 Prozent. Der jüngst vorgestellte Bau-Monitor des Pestel-Instituts beziffert den Wohnungsmangel in Niedersachsen auf 123.000 Wohnungen. Und weil nicht genug gebaut wird, entgehen dem Land nach Berechnung der Forscher rund 686 Millionen Euro an Steuereinnahmen. Wohnungsbau ist also nicht nur eine soziale Frage – er ist eine wirtschaftliche Staatsaufgabe.

Genau deshalb kommt den Kommunen jetzt die Schlüsselrolle zu. Mit dem § 246e BauGB, dem sogenannten Bau-Turbo, hat der Bund ein mächtiges Instrument geschaffen, das bis Ende 2030 befristet ist. Es erlaubt Abweichungen vom Bauplanungsrecht und den Verzicht auf langwierige Bebauungsplanverfahren – im Innenbereich, in allen Baugebieten und unter bestimmten Voraussetzungen sogar im Außenbereich. Aber ein Werkzeug, das im Werkzeugkasten bleibt, baut kein einziges Haus. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in den Kommunen.

Unsere zentrale Forderung an die neuen Räte und Kreistage lautet deshalb: Beschließen Sie in Ihrer ersten Sitzungsperiode die aktive Anwendung des Bau-Turbos. Erteilen Sie Ihrer Verwaltung den klaren Auftrag: Wohnungsbau hat Vorfahrt! Nutzen Sie die Leitfäden und das Umsetzungslabor des Bundes, schulen Sie Ihr Personal – und verzichten Sie darauf, den Turbo durch eigene Satzungen oder Beschlüsse wieder auszubremsen.

Zweiter Punkt: Bauland. Auf teurem Grund können keine preiswerten Wohnungen entstehen – das gilt 2026 genauso wie bei der letzten Kommunalwahl. Wir fordern die Kommunalparlamente auf, aktiv günstiges Bauland auszuweisen, und zwar nicht nur für den Geschosswohnungsbau, sondern explizit auch für Eigenheime. Wohneigentum ist die wichtigste Säule der Altersvorsorge und entlastet nachweislich den Mietmarkt. Deutschland liegt mit einer Eigentumsquote von unter 50 Prozent am Ende der europäischen Tabelle – das muss sich ändern. Kommunale Grundstücke sollten grundsätzlich verkauft und nur in Ausnahmefällen im Erbbaurecht vergeben werden, denn das Erbbaurecht verteuert Finanzierungen und treibt die laufenden Kosten. Und wir sollten den Mut haben, vermeintliche Tabu-Flächen zu überdenken: Flächen, die bereits an ÖPNV, Schulen und Nahversorgung angebunden sind, gehören zu den schnellsten Hebeln für neuen Wohnraum. Digitale Baulandkataster schaffen dabei die nötige Transparenz.

Drittens: Lassen Sie uns über die Kosten reden – ehrlich und ohne Schönfärberei. Niedersachsen hat mit den Bauordnungsnovellen 2024 und 2025 viel richtig gemacht. Die Stellplatzpflicht für Neubauten ist gefallen, die Genehmigungsfiktion sorgt für Tempo, und das Land wurde vom Zentralen Immobilien Ausschuss zu Recht für die innovativste Bauordnung ausgezeichnet. Doch wir beobachten mit wachsender Sorge, dass einige Kommunen versuchen, diese Fortschritte durch die Hintertür wieder auszuhebeln – über städtebauliche Verträge, örtliche Bauvorschriften oder überzogene Sonderstandards bei Fassaden, Begrünung oder energetischen Anforderungen. Ein Tiefgaragenstellplatz kostet bis zu 50.000 Euro, kommunale Sonderstandards schlagen mit bis zu 250 Euro pro Quadratmeter zu Buche – und am Ende zahlt alles der Mieter oder Käufer.

Unser Vorschlag ist einfach und fair: Bevor eine Kommune einen zusätzlichen Standard festsetzt, sollte eine Kostenwirkungsanalyse Pflicht sein. Und wer mehr will als das Gesetz, sollte die Mehrkosten auch mittragen. Das gilt übrigens auch für die soziale Infrastruktur: Kitas, Schulen und Begegnungsstätten sind eine kommunale Pflichtaufgabe der Daseinsvorsorge – sie kommen der gesamten Stadt zugute und müssen deshalb aus allgemeinen Haushaltsmitteln finanziert werden. Wer Projektentwickler über städtebauliche Verträge zur Kita-Finanzierung verpflichtet, lässt in Wahrheit die künftigen Bewohner eines einzelnen Quartiers für die Infrastruktur aller zahlen.

Das ist ungerecht, rechtlich fragwürdig und führt am Ende dazu, dass Projekte schlicht nicht gebaut werden. Weniger Wohnraum und höhere Mieten können nicht das Ziel kommunaler Politik sein. Lassen Sie mich zum Schluss noch persönlich werden. In den vergangenen Wochen habe ich hier und auf LinkedIn viel über ein Thema geschrieben, das mir nach 15 Jahren als Geschäftsführer dieses Verbandes immer wichtiger wird: Die Wohngesundheit. Eine Krankenschwester hat mir erzählt, dass sie schon wieder Schimmel in ihrer Wohnung hat – und dass sie das krank macht. Solche Begegnungen rücken die Perspektive zurecht.

Wohnen ist mehr als ein Quadratmeterpreis. Es geht um gesunde Quartiere mit Grünflächen, kurzen Wegen und sicheren Straßen, um altersgerechte Wohnungen für 2,8 Millionen Seniorenhaushalte, von denen heute nur 600.000 eine passende Wohnung finden. Aber – und das ist die entscheidende Pointe – all das bleibt unbezahlbar, wenn wir das Bauen nicht wieder einfacher, schneller und günstiger machen. Gesundheit im Quartier darf kein Luxus sein. Sie muss Standard werden. Und genau dafür brauchen wir Kommunen, die ermöglichen statt verhindern.

Die Wahl ist gelaufen, die Karten sind neu gemischt. Jetzt zählt, was die neuen Mandatsträger daraus machen. Wir als BFW-Landesverband Niedersachsen/Bremen stehen für den Dialog bereit – mit jeder Fraktion mit demokratischer Grundeinstellung, in jeder Kommune, auf Augenhöhe und mit konkreten Lösungen im Gepäck. Unser Positionspapier liegt auf dem Tisch, unsere Mitgliedsunternehmen stehen in den Startlöchern. Machen Sie den Wohnungsbau zur Chefsache in Ihrem Rat. Dann machen wir gemeinsam aus der Richtungsentscheidung eine Aufbruchstimmung. Herausforderungen meistern. Chancen nutzen. Zukunft gestalten.

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