Niedersächsischer Wärmepumpentag

Veröffentlicht am 23. März 2022

Foto: KEAN / Ulrich Pucknat

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies, die Referenten und die über 300 Teilnehmer des 1. Niedersächsischen Wärmepumpentages waren sich einig, dass die Technik, das Know-How und auch das Interesse der Verbraucher für das Thema Wärmepumpe vorhanden sind. Jetzt komme es darauf an, Planungssicherheit für Investoren und private Hauseigentümer zu schaffen, eine verlässliche Förderung sicherzustellen und das Handwerk bei der Fachkräftesuche zu unterstützen.

Ende Februar 2022 fand in Hannover der 1. Niedersächsische Wärmepumpentag statt. Organisiert wurde die Veranstaltung von den Gründungspartnern der „Wärmepumpen-Initiative Niedersachsen“. Das Event beleuchtete die Wärmepumpe als Heizsystem der Zukunft aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Die Referenten waren sich einig, dass die zentralen Vorteile der Wärmepumpe die Nutzung von klimafreundlicher Umweltwärme sowie ihre Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern seien – eine Unabhängigkeit, der angesichts des Konflikts in der Ukraine eine noch größere Bedeutung zukommt.

Wärmepumpe wichtig für Energiewende

In seinem Impulsvortrag unterstrich Umwelt- und Energieminister Olaf Lies die Bedeutung der Wärmepumpe für das Gelingen der Energiewende. Die Wärmepumpe sei das zentrale Instrument, um den Gebäudebestand längerfristig klimaneutral zu bekommen. „Dabei sollten wir den Fokus auf die älteren Bestandsgebäude richten, denn hier können mit einem Umstieg von fossilen Heizungen auf eine Wärmepumpe die meisten CO2-Einsparungen erzielt werden. Daher ist es auch wichtig, die Wärmewende im Gebäudebereich ganzheitlicher zu betrachten – weg von der Energiebilanz, hin zu einer echten Klimabilanz.”

Dr. Martin Sabel vom Bundesverband Wärmepumpe unterstrich in seinem Vortrag die Bedeutung der älteren Ein- bis Zweifamilienhäuser für eine erfolgreiche Umsetzung der Wärmewende im Gebäudebereich. Denn trotz eines deutlichen Anstiegs in 2020 würden jährlich nur knapp 10 Prozent der älteren Gebäude bei einer Heizungssanierung mit einer Wärmepumpe ausgestattet. Das heißt im Umkehrschluss: Der Großteil aller Heizungssanierungen manifestiert einen Weiterbetrieb mit Öl und Gas für viele Jahre!

An dieser Stelle sei deutlich mehr Information und Kommunikation mit den Verbrauchern nötig, um ihnen die Vorteile eines Umstiegs von fossilen Energieträgern auf eine Wärmepumpe zu erläutern. Dr. Reinhard Loch von der Verbraucherzentrale NRW konnte ein deutlich gestiegenes Interesse der Hauseigentümer feststellen, welches sich in Zugriffszahlen auf der Internetseite, bei den Beratungsanfragen, aber auch in Beiträgen der lokalen Medien widerspiegele. Dennoch gäbe es auch Zurückhaltung, u.a. wegen aktuell noch hoher Anschaffungskosten und der Frage, ob das eigene Haus für eine Wärmepumpe geeignet sei.

Die Frage der Kosten griff auch Umweltminister Lies auf: „Wir brauchen eine andere Betrachtung der Kosten. Richtig ist: Die Anschaffungskosten liegen bei der Wärmepumpe höher als bei anderen Heizsystemen. Aber wesentlicher für die Hauseigentümer sind doch die langfristigen Betriebskosten und da hat die Wärmepumpe einen klaren Wettbewerbsvorteil – und ökologisch sowieso!” Ein anderer Hemmschuh für den verstärkten Einbau von Wärmepumpen ist nach Meinung der verschiedenen Referenten der Fachkräftemangel im Handwerk. Hierzu konnte Dr. Frank-Peter Ahlers von der Handwerkskammer Hannover einige Einblicke liefern – insbesondere, dass aktuell eine deutschlandweit angelegte, kreative Werbekampagne gestartet sei.

Es ginge aber auch um mehr als nur einen Job mit möglichst guter Bezahlung. Wertschätzung und fortlaufende Weiterbildung wären zentrale Bedingungen, um junge Menschen in das Fachhandwerk zu bekommen und dort zu halten. Umweltminister Lies unterstrich diese Wahrnehmung: „Die Fridays for Future Bewegung hat sehr viele junge Menschen auf die Straße gebracht und den Klimaschutz auf die gesellschaftliche und politische Agenda gesetzt. Die Frage ist nun: Wie schaffen wir es, diese jungen Leute auch für den nächsten Schritt, den praktischen Klimaschutz zu gewinnen. Wir müssen vermitteln, dass ein Beruf im Handwerk gelebter Klimaschutz ist, dass diese Berufe ein positives und, vielleicht sogar ein cooles Image haben.”

Für Hiram Kahler vom Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Niedersachsen und Bremen ist der Fachkräftemangel ebenfalls ein wichtiges Thema, wenn es um die energetische Optimierung des Gebäudebestandes der Wohnungswirtschaft geht: 94 Prozent der (Mehrfamilien-)Gebäude seien vor 1990 erbaut, aber immerhin rund 75 Prozent davon zumindest teilweise bis vollständig energetisch optimiert und modernisiert. Aber dennoch: Es bestehe weiter ein kontinuierlicher Bedarf an energetischer Optimierung und auch der Einbau von Wärmepumpen sei in Mehrfamiliengebäude möglich, wenngleich nicht so einfach umzusetzen wie bei Ein- und Zweifamilienhäusern. Abschließend skizzierte Friedrich Lutz Schulte vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (bdew) Szenarien einer klimaneutralen Wärmeversorgung:

Er sieht die Wärmepumpe hier als Schlüsseltechnologie zur Hebung der Umweltwärmepotenziale. Wichtig sei zugleich die Verstetigung der Förderprogramme, um langfristige Investitionssicherheit zu bieten sowie die konsequente Dekarbonisierung des Strommixes. Die anschließende Podiumsdiskussion beschäftigte sich mit der Frage, wie bis zum Jahr 2030 insgesamt 500.000 Wärmepumpen in Bestandsgebäuden in Niedersachsen installiert werden können. Organisiert wurde der 1. Niedersächsische Wärmepumpentag vom Energie-Forschungszentrum Niedersachsen (EFZN), dem Institut für Solare Energieforschung Hameln (isfh), der Leibniz Universität Hannover und der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen. Die Veranstalter sind Mitbegründer der Wärmepumpen-Initiative Niedersachsen (WIN).

Hintergrund zur Wärmepumpeninitiative Niedersachsen

Die Wärmepumpen-Initiative Niedersachsen (WIN) will den Austausch und die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis verbessern. Das Hauptaugenmerk liegt darauf, neue Erkenntnisse zu gewinnen und Fachwissen zu verbreiten. Der Gründungskreis der Wärmepumpen-Initiative Niedersachsen besteht aus vier Partnerorganisationen. Das Netzwerk soll aber durch Aufnahme neuer Partner aus der ganzen Bandbreite der Aktivitätskette wachsen, wie z.B. Hersteller von Wärmepumpen und Systemkomponenten, dem Handwerk, Planern und Energieberatern, der Wohnungs- und Bauwirtschaft, Wärmelieferanten und Energieversorgern, Transfer- und Beratungseinrichtungen sowie Verbänden, der Politik und Verwaltung und Wissenschaft.

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