Veröffentlicht am 1. Oktober 2026
V.l.: Dirk Viebrock (CEO Viebrockhaus AG), André Dittmer (Maurer der Viebrockhaus AG), Olaf Lies (SPD) Ministerpräsident von Niedersachsen und Lars Viebrock (CEO Viebrockhaus AG) bei der Grundsteinlegung. (Foto: Viebrockhaus AG: )
Mit der Ecksteinlegung für das Wohnquartier „Smart City Stade“ hat Viebrockhaus den offiziellen Startschuss für 68 neue Wohnungen im Altländer Viertel gegeben. Das Projekt verbindet bezahlbaren Wohnraum mit serieller Bauweise, erneuerbarer Energie und einem Schwammstadt-Konzept. Vertreter von Stadt, Landkreis und Land würdigten das Vorhaben als Beispiel dafür, wie Wohnungsbau trotz schwieriger Marktbedingungen schneller umgesetzt werden kann.
Stade wächst als Wirtschafts- und Arbeitsstandort. Unternehmen aus der Chemieindustrie, der Luftfahrt und weiteren Branchen ziehen Beschäftigte in die Region. Gleichzeitig fehlt es an zeitgemäßem, energieeffizientem und bezahlbarem Wohnraum. Nach Angaben der Stadt, richten sich die 68 geplanten Wohnungen deshalb an unterschiedliche Haushaltsformen – von Singles und Paaren bis zu Familien.
Die Wohnungen sollen zwischen 53 und 95 Quadratmeter groß sein. Die angekündigten Kaltmieten liegen je nach Größe zwischen 710 und 930 Euro. Damit zielt das Quartier insbesondere auf Haushalte mit mittleren Einkommen und auf Menschen in Berufen, die für das tägliche Leben unverzichtbar sind, darunter Pflegekräfte, Erzieher sowie Beschäftigte im öffentlichen Nahverkehr. Für Viebrockhaus ist es nicht das erste, größere Projekt im Umfeld: Wenige hundert Meter entfernt, hat das Unternehmen bereits 84 Wohnungen im „Altländer Viertel“ errichtet. Weitere Vorhaben in Stade – unter anderem auf einer ehemaligen Industriefläche und in der Harschenflether Vorstadt – sollen das Wohnungsangebot in der knapp 50.000 Einwohner zählenden Stadt zusätzlich erweitern.
Serielle Bauweise soll Zeit und Kosten sparen
Ein zentrales Element des Projekts ist die standardisierte Bauweise der sogenannten „Powertown-Häuser“. Nach Angaben des Unternehmens kann ein Gebäude vom Baubeginn bis zur Bezugsfertigkeit innerhalb von nur rund vier Monaten entstehen. Vorgefertigte Bauteile, darunter bereits montierte Fensterelemente, verkürzen die Arbeiten vor Ort. Zugleich sinken Baustellenverkehr, Lärm und Belastungen für die gesamte Nachbarschaft. Landrat Kai Seefried hob die Typenzertifizierung des Gebäudekonzepts hervor. Sie soll den Prüfaufwand bei weiteren Vorhaben verringern und Genehmigungsverfahren beschleunigen. Aus Sicht der Projektbeteiligten liegt darin ein wichtiger Hebel, um Baukosten zu begrenzen: Wiederkehrende Gebäudetypen müssen nicht bei jedem Bauvorhaben vollständig neu bewertet werden. Viebrockhaus-Mit-Geschäftsführer Lars Viebrock betonte, dass die Beschleunigung nicht zulasten der Qualität gehen dürfe. Wohngebäude müssten über mehrere Generationen attraktiv und nutzbar bleiben. Das Unternehmen setzt deshalb auf standardisierte Abläufe, will aber zugleich hohe energetische und bauliche Standards erhalten.
Regenwasser speichern, Energie vor Ort erzeugen
Auch ökologisch verfolgt das Quartier einen umfassenden Ansatz. Photovoltaikanlagen sollen einen Teil der benötigten Energie direkt vor Ort erzeugen. Der niedrige Energiebedarf der Gebäude soll zudem die laufenden Kosten begrenzen und die örtlichen Stromnetze entlasten. Eine Besonderheit ist das Schwammstadt-Prinzip: Unterirdische Rückhaltekörper nehmen bei Starkregen Wasser auf und geben es in trockenen Perioden kontrolliert an die Umgebung ab. Dadurch wird die Kanalisation entlastet, zugleich kann Verdunstung das Mikroklima im Quartier verbessern. Laut Viebrockhaus liegen die Erschließungskosten für dieses System in einer ähnlichen Größenordnung wie bei herkömmlichen Erdarbeiten.
Für die späteren Bewohner sollen außerdem geringere Regenwassergebühren möglich sein. Das Konzept verbindet damit vier Bereiche, die bei neuen Quartieren zunehmend gemeinsam gedacht werden: Wohnen, Energie, Mobilität und Wasserwirtschaft. Die Projektpartner verstehen die Smart City Stade deshalb nicht nur als Wohnungsbauprojekt, sondern als Modell für eine klimaresiliente Quartiersentwicklung. Bei der Zeremonie unterstrichen die stellvertretende Stader Bürgermeisterin und Landtagsabgeordnete Melanie Reinicke, Landrat Kai Seefried und Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und öffentlicher Hand. Stadt und Landkreis begleiteten Planung und Genehmigung, das Land Niedersachsen und die NBank unterstützen den bezahlbaren Wohnungsbau mit Förderinstrumenten.
Die Redner warben zugleich für einfachere und stärker digitalisierte Verfahren. Serienzertifizierungen könnten helfen, wiederkehrende Prüfungen zu vermeiden und Projekte schneller in die Umsetzung zu bringen. Förderung bleibe insbesondere im sozialen Wohnungsbau wichtig, müsse jedoch mit verlässlichen und schlanken Genehmigungsprozessen verbunden werden. Für Viebrockhaus hat die Wohnraumförderung nach eigenen Angaben auch betriebliche Bedeutung. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 1.000 Mitarbeiter, darunter über 500 Handwerker.
In den vergangenen zwei Jahren seien mehr als 330 Wohneinheiten im sozialen Wohnungsbau gebaut oder geplant worden. Zum Abschluss der Veranstaltung wurde eine Zeitkapsel mit Dokumenten und Erinnerungsstücken befüllt und in den Eckstein eingesetzt. Die Zeremonie markierte damit nicht nur den Beginn eines weiteren Bauabschnitts, sondern setzte auch ein Zeichen gegen die verbreitete Zurückhaltung in der Bauwirtschaft. Ob das Stader Modell auf andere Standorte übertragen werden kann, wird vor allem davon abhängen, ob standardisierte Gebäudetypen, schnelle Genehmigungen und Förderbedingungen dauerhaft zusammenspielen. Das Projekt zeigt jedoch bereits, wie Kommunen, Land und Bauwirtschaft bezahlbaren Wohnraum mit Energieeffizienz und Klimaanpassung verbinden.