Auf ein Wort

Veröffentlicht am 1. Juni 2024

David Jacob Huber, BFW-Geschäftsführer Landesverband Niedersachsen/Bremen

Liebe Immobilienfreunde, Hiobsbotschaft zu Pfingsten! BFW-Pressemitteilung: Baugenehmigungszahlen sinken immer weiter - Fertigstellungszahlen: Blick zurück, verstellt den Blick nach vorn.“

Die NBank hingegen verkündet im Newsletter vom 21. Mai: „Der von vielen erwartete Fall der Neubauzahlen ins Bodenlose blieb aus. Schon in 2022 Fertigstellungen abgebaut. Diese Entwicklung setzt sich in 2023 fort und verhindert eine „harte Landung“.“ Jetzt stellt sich die Frage: Ja, was stimmt denn nun? Hier können wir sehr deutlich ein Phänomen der falschen Paradigmen sehen. Aus Sicht der Bauträger und Projektentwickler ist nicht die Baugenehmigung an sich interessant, sondern der tatsächliche Baubeginn. Warum ist das so? Die Antwort ist relativ einfach und zeigt gleichzeitig das Dilemma der Immobilienwirtschaft auf. Die Baugenehmigung ist nichts anderes als ein Papier, das nach vielen Jahren Vorarbeit und Behördenwegen erstellt wird.

Gerade, wenn es um Neubauprojekte auf der grünen Wiese geht, können schon mal mehr als 10 Jahre vergehen, bis alle Genehmigungen vorliegen. In dieser Zeit wurde der B-Plan geändert, mit den Kommunen wahrscheinlich ein städtebaulicher Vertrag vereinbart, manchmal sogar Wettbewerbe durchgeführt und letztendlich wurde das Vorhaben dann genehmigt. In der Zwischenzeit haben sich aber die Begleitumstände geändert. Und dass, wie wir alle wissen, ziemlich dramatisch. Das führt nun dazu, dass die Baugenehmigung in einer Schublade verschwindet, das Projekt aber nicht realisiert wird. Das bedeutet: „Es gibt keinen Baustart!“. Im besten Fall wird das Projekt nur aufgeschoben in der Hoffnung, dass sich die Rahmenbedingungen ändern.

Nun ist es aber auch bekannt, dass man in Baugenehmigungen nicht wohnen kann. Der Blick auf diese Zahlen ist daher grundfalsch. Experten drängen schon lange darauf, dass Entscheider aus Politik und Verwaltung besser auf die Baubeginne schauen sollen. Denn der Blick auf die Genehmigungen ist rückwärtsgewandt und keinesfalls aussagekräftig. Und liefert damit die Grundlagen, für eine fehlerhafte und falsche Stadtplanung. Entscheidend sind die Baubeginnanzeigen – und die tendieren gegen Null. In Bremen hat ein Paradigmenwechsel einer ganz anderen Art stattgefunden: 2023 haben wir bei einem parlamentarischen Frühstück in Bremen die damalige Bausenatorin Dr. Meike Schaefer scharf kritisiert. Sie hat ihre Gesprächsbereitschaft mit den wohnungswirtschaftlichen Verbänden mit einer totalen Verweigerung dokumentiert, indem sie währen der gesamten Legislaturperiode alle Verbandsveranstaltungen gemieden hat.

Ganz anders die neue Bausenatorin Özlem Ünsal. In der Zeitschrift der „ARGE freier Wohnbau in Bremen“ findet man in der aktuellen Ausgabe die Schlagzeile: „Anti-Schaefer Ünsal kommt gut an!“ Das ist in der Tat so. Zum ersten Mal seit Senator Lohse war das Bundesland Bremen wieder durch die zuständige Senatorin beim 42. Hannover-Forum persönlich vertreten. Die Grußworte waren sehr deutlich und zeigten den neuen Weg in Bremen auf. Die neue Priorisierung, die stattgefunden hat, geht in die richtige Richtung. In Bremen geht es wieder mehr um Infrastruktur und Wohnen, Fahrradbrücken werden verschoben. Das begrüßen unsere Mitgliedsunternehmen in Bremen sehr. (Für Nicht-Bremer: Alle Brücken über die Weser in Bremen sind stark baufällig und waren unter Schaefer nicht im Focus, was über kurz oder lang zu einer Trennung der Stadt führen könnte.)

Auch der Bremer Standard, den wir als Verband an dieser Stelle immer wieder kritisiert haben, wird auf den Prüfstand gehoben. Dass er aus ökologischen Gründen vielleicht sinnvoll sein könnte, haben wir nie bestritten. Aber dieser Standard steigert nur die Baukosten und macht wirtschaftliches Bauen nahezu unmöglich. Wir sagen daher an dieser Stelle sehr deutlich: „Weg mit dem „Bremer Standard!“ Eine weitere Steigerung der Baukosten durch überbordende Vorgaben ist nicht vertretbar und vor allem den wohnungssuchenden Bürgern nicht mehr vermittelbar. Das 42. Hannover-Forum war aber auch in anderer Richtung wegweisend. Im Fachpanel „Wohnungsbau“ wurde der neue Weg der Branche vorgezeichnet: Weg von teurer Individualplanung, hin zum seriellen Wohnungsbau. Wir müssen und werden uns wieder auf die alten Werte besinnen, klarer und strukturierter pla-nen und bauen und damit die Baukosten senken.

Klar ist aber auch eine Botschaft, die aus den Reihen der Zuhörer kam: „Wohnen muss wieder mehr wertgeschätzt werden“! Was meinten die Zuhörer damit? Nun, es geht nicht darum, dass Wohnen ein Grundbedürfnis des Menschen ist. Nur wer ein sicheres Zuhause hat, ist auch leistungsfähig. Und genau dieses sichere Zuhause bedarf einer Wertschätzung, denn es ist eben keine Selbstverständlichkeit, dass Unternehmer dieses Zuhause zur Verfügung stellen, es planen, bauen, erhalten, sanieren und reparieren. Und das, wie im Fall der meisten privaten, mittelständischen, inhabergeführten Mitgliedsunternehmen des BFW, oftmals weit über das geforderte Mindestmaß hinaus. Das 42. Hannover-Forum war insgesamt eine positive, vorwärts gerichtete Veranstaltung, bei der nach Lösungen gesucht wurde. Und diesen Spirit nehmen wir nun mit zur Real Estate Arena, die am 5. und 6. Juni in der Halle 4 stattfindet. Besuchen Sie uns dort und diskutieren Sie mit uns. Wir freuen uns auf Sie.

In diesem Sinne sende ich Ihnen erbauliche Grüße
David Jacob Huber

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