Veröffentlicht am 1. Februar 2026
BFW-Geschäftsführer David Jacob Huber (Foto: BFW Niedersachsen-Bremen)
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Immobilienfreunde, der Winter hat uns noch fest im Griff, und doch spüren wir eine Sehnsucht nach Aufbruch. Diese Sehnsucht war auch auf unserem Jahresempfang des BFW-Landesverbandes Niedersachsen/Bremen im Insel Beach Club in Hannover deutlich zu spüren.
Es war ein Abend, der gezeigt hat: Wir sind bereit, die Zukunft des Wohnens in Niedersachsen und Bremen aktiv zu gestalten. Doch die Realität ist ernüchternd. Die Immobilienwirtschaft leidet unter stockenden Genehmigungen, explodierenden Kosten und einem Mangel an verfügbaren Flächen. In seiner Begrüßung fand unser Vorstandsvorsitzender Dirk Streicher klare Worte: „Wir brauchen dringend verlässliche politische Rahmenbedingungen und eine pragmatische Zusammenarbeit mit den Kommunen. Die Zeit der Ausreden ist vorbei. Wir brauchen einen echten Wohnungsbau-Turbo statt Symbolpolitik.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. In Deutschland fehlen rund 700.000 leistbare Wohnungen. Das ist, als ob wir eine ganze Stadt wie Köln neu bauen müssten. Gleichzeitig stehen wir vor der Mammutaufgabe, den Bestand zu modernisieren, klimaneutral zu machen und an neue Mobilitätskonzepte anzupassen. Das alles kostet nicht nur Geld, sondern erfordert auch Mut, Weitsicht und vor allem – schnellere und einfachere Prozesse. Der Zusammenhalt ist unsere größte Stärke im Dialog mit der Politik. Deshalb appelliere ich an alle Unternehmerinnen und Unternehmer der Branche: Werden Sie Mitglied in unserem Verband! Jedes Unternehmen zählt. Je mehr wir sind, desto mehr Gewicht haben wir in der Kommunikation mit der Politik. Unsere Stimme wird gehört, wenn wir geschlossen auftreten. Gemeinsam können wir die notwendigen Veränderungen anstoßen und durchsetzen. Der BFW-Landesverband Niedersachsen/Bremen ist Ihre Plattform, um aktiv mitzugestalten und von einem starken Netzwerk zu profitieren.“
In Bremen wurde mit dem „Bremer Weg“ bereits gezeigt, was wir gemeinsam erreichen können. Dieser Erfolg ist auch ein Verdienst der guten Zusammenarbeit mit den politischen Akteuren. Bei der 13. nordwestdeutschen Immobiliennacht haben wir uns von der langjährigen Senatsbaudirektorin Prof. Dr. Iris Reuther verabschiedet und danken ihr für ihren Einsatz und die konstruktive Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren. Gleichzeitig freuen wir uns auf die Zusammenarbeit mit dem neuen Senatsbaudirektor Arend Bewernitz, den wir bei unserem Jahresempfang herzlich begrüßen durften. Dieser Übergang symbolisiert Kontinuität und die Chance auf neue Impulse. Die Gespräche mit Herrn Bewernitz waren bereits sehr vielversprechend und zeigen, dass der Dialog auf Augenhöhe fortgesetzt wird.
In der von mir moderierten Talkrunde auf dem Jahresempfang mit Claudia Simon vom Niedersächsischen Wirtschaftsministerium und Arend Bewernitz wurde deutlich: Der Wille zur Veränderung ist da. Man ist sich der Herausforderungen bewusst, und es wurden bereits erste Schritte unternommen. Doch das reicht nicht. Wir müssen schneller und mutiger werden. Kommunikation statt Konfrontation – das ist unser Weg, aber er muss auch von der Politik konsequent mitgegangen werden. Wir dürfen aber nicht nur auf die Politik warten. Wir müssen selbst aktiv werden. Der „Hildesheimer Weg“ ist das beste Beispiel dafür. Diese innovative Lösung zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum ist aus der Mitte unserer Mitgliedschaft entstanden. Er zeigt: Wir können es, wir haben die Ideen und die Kraft zur Umsetzung. Was wir dafür aber unabdingbar von der Politik brauchen, ist Rechtssicherheit. Nur mit verlässlichen Rahmenbedingungen können solche innovativen Ansätze flächendeckend Früchte tragen und den dringend benötigten Wohnraum schaffen.
Was wir jetzt brauchen, ist ein wirkliches Sofortprogramm für den Wohnungsbau. Wir müssen den „Gebäudetyp E“ endlich bundesweit rechtssicher verankern, um einfacher, schneller und kostengünstiger bauen zu können. Wir müssen die Grunderwerbsteuer senken und die Eigentumsbildung durch Landesbürgschaften fördern. Deutschland hat mit 46,7 Prozent eine der niedrigsten Eigentumsquoten in Europa. Wir müssen endlich die überbordende Bürokratie abbauen. Warum streichen wir nicht einfach 30 Prozent der Bauvorschriften? Das kostet nichts und würde die Baukosten immens senken. Dass wir Vieles mehrfach haben, haben wir dokumentiert und den Landesregierungen in Niedersachsen und Bremen übergeben. Wir schlagen eine schnelle Umsetzung der Punkte vor, die realitätsnah und keine Träumereien sind.
Lassen Sie uns von unseren niederländischen Nachbarn lernen: Dort werden Umgebungspläne in ein bis zwei Jahren aufgestellt und Genehmigungen in acht Wochen erteilt. Davon können wir hier nur träumen. Stattdessen halten wir an einem Luxusstandard fest, den wir uns unter den aktuellen Rahmenbedingungen schlicht nicht mehr leisten können. Es geht nicht darum, schlechter zu bauen, sondern pragmatischer und effizienter.
Der Jahresempfang hat gezeigt, dass wir eine starke Gemeinschaft sind. Wir haben den Willen und die Expertise, die anstehenden Herausforderungen zu meistern. Lassen Sie uns diesen Schwung nutzen. Lassen Sie uns gemeinsam für einen echten Neustart im Wohnungsbau kämpfen. Für die Menschen, für die Wirtschaft und für den sozialen Frieden in unserem Land. Die Branche steht bereit – jetzt ist die Politik gefordert, die Weichen zu stellen. Herausforderungen meistern. Chancen nutzen. Zukunft gestalten.
Ihr David Jacob Huber